Lippstädter Unternehmerinnen auf Spurensuche im Stadtarchiv

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Das (Langzeit-)Gedächtnis der Stadt Lippstadt war vergangene Woche Ziel des Luna-Herbsttreffens (LUNA = Lippstädter Unternehmerinnen). 16 Unternehmerinnen stellte Dr. Claudia Becker, Fachdienstleiterin Archiv und Museum, zunächst den klassischen Ausbildungs- und Werdegang einer Archivarin vor. Immer wieder seien Archive und ihre Bediensteten auch Gegenstand von Darstellungen in Film und Fernsehen, wo die bekannten Klischees wie „langweiliger Archivar mit Ärmelschonern im verstaubten Keller“ o. ä. gern bedient würden.

Dass dies mit einem modernen Stadtarchiv nichts zu tun hat, wurde im Zuge der professionellen und lebendigen Erläuterungen durch die Lippstädter Chefarchivarin schnell klar. Die Unterhaltung eines Archivs sei keine freiwillige Aufgabe einer Kommune, wie etwa die Bereitstellung eines Museums, sondern dazu sei die Stadt qua Archivgesetz verpflichtet. Dieses enthalte zahlreiche Aufgaben öffentlicher Archive, von der Auswahl ("Bewertung") der zu archivierenden Dokumente über ihre Verpackung, Verzeichnung und Bereitstellung für die Benutzung. Die Auswahl liegt demnach allein beim Archiv. „Da nur ca. 5% des gesamten Dokumentenaufkommens aus der Stadtverwaltung archiviert werden, ist die Auswahl des archivwürdigen Materials eine Herkulesaufgabe.“, so Dr. Claudia Becker, über deren gute Erfüllung oft erst die Zeit entscheidet. Aktuell sei die Übernahme und Archivierung elektronischer Daten eins der größten Probleme.

Neben dem Archivgut aus der Stadtverwaltung gibt es im Stadtarchiv allerdings auch noch Material aus privater Herkunft, etwa von Familien, Firmen oder Vereinen. Derartiges Material wurde dem Archiv entweder komplett überlassen oder hier als Leihgabe hinterlegt. Wichtig sind solche Dokumente und Bilder immer dann, wenn sie auch eine breite Öffentlichkeit interessieren und für die Stadtgeschichte von besonderem historischen Wert sind. Das Stadtarchiv sei immer bemüht, möglichst viele dieser Archivalien dann auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, versicherte Frau Dr. Becker. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die komplette Sammlung der Ausgaben der Lippstädter Tageszeitung „Der Patriot“ seit der ersten Ausgabe 1848. Gefragt nach dem größten Schatz des Archivs zeigte Frau Dr. Becker, nun doch mit den obligatorischen weißen Handschuhen, den Unternehmerinnen das erste Stadtrecht von Lippstadt, das Graf Bernhard persönlich seiner Stadt um 1220 gewährt hat.


Lippstädter Unternehmerinnen zu Gast im Stadtarchiv