Städtebaulicher Wettbewerb Steinstraße - Siegerentwurf kommt von Lippstädter Büro Rinsdorf Ströcker Architekten

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Lippstadt. Mit einer einstimmigen Entscheidung ist in der vergangenen Woche die Jurysitzung zum städtebaulichen Wettbewerb für das westlich der WLE-Trasse gelegene Werksgelände der Firma Hella an der Steinstraße zu Ende gegangen. Das Preisgericht, bestehend aus Architekten sowie Vertretern aus Politik, Verwaltung und von Hella, war sich einig, dass der vom Lippstädter Architekturbüro Rinsdorf Ströcker Architekten gemeinsam mit Lembken Architekten Stadtplaner (Ahlen) eingereichte Entwurf die Vorgaben aus dem Wettbewerb am besten umgesetzt hatte. Die Entscheidungsfindung war bis zuletzt anonym verlaufen.

 

Gefordert war, eine Planung für das Gelände zu entwickeln, die der Größe des Plangebietes mit insgesamt 65.000 Quadratmetern, der exponierten Lage im Stadtraum und der notwendigen städtebaulichen Einbindung in das Umfeld Rechnung trägt. „Die Fläche, die perspektivisch dort umstrukturiert werden soll, wird eine Scharnierfunktion zwischen der Altstadt und einem durch Hella und die Hochschule geprägten Bereich einnehmen. Gleichzeitig ist die Lage durch eine gute verkehrliche Erreichbarkeit und eine unmittelbare Nähe zum Grünen Winkel und zur Lippeaue gekennzeichnet“, beschreibt Heinrich Horstmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen bei der Stadt Lippstadt die Merkmale des Gebietes, die für den städtebaulichen Vorentwurf relevant waren und eine Entwicklung zu einem „urbanen, nutzungsgemischten Quartier“ sinnvoll erscheinen lassen.

 

Der Siegerentwurf schafft laut Preisgericht ein „unverwechselbares Quartier“ mit einer besonderen Beziehung der Elemente „Historie, Altstadt, Ort und Unternehmen“. Ausgehend von einer Quartiersmitte, für die die Entwurfsverfasser vorschlagen, Teile des Gebäudebestandes zu nutzen, sollen nördlich und südlich dieser Mitte Wohnhöfe mit unterschiedlicher Nutzung entstehen. Neben einer gemischten Nutzung mit Büro- und Dienstleitungsangeboten sowie Einrichtungen für den täglichen Bedarf und für die Freizeitgestaltung (Cafés, Quartierstreffpunkte etc.) soll vor allem das Wohnen in unterschiedlicher Form und für verschiedene Lebenssituationen berücksichtigt werden. Wohnungen für Studierende, Alleinstehende, Wohngemeinschaften, Paare und Familien als Geschosswohnungen oder in mehrgeschossigen städtischen Reihenhäusern oder Lofts sind nach dem Entwurf des Verfassers denkbar und wurden vom Preisgericht entsprechend gewürdigt: „Die Wohnhöfe nördlich und südlich der Mitte nehmen die lineare Struktur auf, lassen unterschiedliche Typologien zu und bilden ein gutes robustes Gerüst für die weitere Entwicklung“.

 

Insgesamt entsteht laut Preisgericht eine städtebauliche Qualität, die durch gute Raumbildung, gute Übersichtlichkeit, gute Orientierung, und angemessene Übergänge zum städtischen Umfeld überzeugt. „Die Qualitäten liegen bei dieser Arbeit unter anderem in der Idee, auf den Bestand zurückzugreifen, aber auch in der Weiterentwicklung des Kerns zu einer überzeugenden Struktur“, so das Urteil. Konkret schlagen die Planer vor, dass zwei Achsen der Sheddächer, sowie das siebengeschossige Verwaltungsgebäude erhalten und mit entsprechender Umgestaltung und Umnutzung zur Quartiersmitte werden. „Inwieweit dieser spezielle Teil des Wettbewerbsbeitrags realisierbar ist, wird im weiteren Verfahren überprüft werden müssen. An der Klarheit und gut durchdachten Struktur des Gesamtentwurfs sowie seiner Umsetzungsfähigkeit ändert sich dadurch nach Auffassung des Preisgerichts grundsätzlich aber nichts“, erläutert Heinrich Horstmann.      

 

Am Wettbewerb hatten sich insgesamt neun Büros beteiligt. Entwürfe waren unter anderem aus Litauen und den Niederlanden eingereicht worden. Neben dem Siegerentwurf wurden auch der Zweit- und Drittplatzierte festgelegt sowie zwei gleichwertige Anerkennungen vergeben. Sämtliche Entwürfe werden demnächst noch einmal im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein.

 

Nach der einstimmigen Entscheidung der Jury schließt sich nun ein Verfahren zur Folgebeauftragung (in der Regel des Wettbewerbssiegers) der weiteren Planungsstufe zum städtebaulichen Rahmenplan an. Im Rahmen dieser Folgebeauftragung ist der Wettbewerbsbeitrag in einem umfassenden Prozess zu überarbeiten und zu konkretisieren. Der konkretisierte städtebauliche Rahmenplan bildet dann die Grundlage der nachfolgenden Bauleitplanung zur planungsrechtlichen Absicherung der Entwicklung auf dem Gelände. Erst hierdurch kann eine tatsächliche Umsetzung der Planung erfolgen.

 

Die weiteren Platzierungen:

Platz 2: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf

Platz 3: HJP Heinz Jahnen Pflüger Architekten und Stadtplaner, Aachen

 

Anerkennungen (gleichwertig):

  • Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt
  • BoARD Bureau of Architecture, Research and Design, Rotterdam (NL) mit LOOP, Ancona (IT)
: Die Mitglieder des Preisgerichts entschieden sich einstimmig für den Entwurf des Lippstädter Architekturbüros Rinsdorf Ströcker Architekten mit lembken architekten BDA stadtplaner aus Ahlen. Foto: Stadt Lippstadt