Entwürfe für Stadthausquartier werden präsentiert - Ausstellung mit Wettbewerbsergebnissen noch bis 30. August in der Stadtbücherei

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Lippstadt. Noch bis zum 30. August 2019 sind die Entwürfe, die im Wettbewerb für das neue Stadthaus und die städtebauliche Entwicklung der südlichen Altstadt eingereicht worden sind, in einer Ausstellung in der Alten Kapelle in der Thomas-Valentin-Stadtbücherei zu sehen.

 

Ein Preisgericht aus vier externen Architekten und Stadtplanern sowie Bürgermeister Christof Sommer, Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann und Mirko Molt, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, hatte im Juli die Entscheidung über den Siegerentwurf und weitere Platzierungen getroffen. Das Rennen gemacht hatte das Büro „heimspiel architekten“ aus Münster gemeinsam mit dem Stadtplanungsbüro Studio Schulz Granberg aus Berlin. Mit dem zweiten Platz waren das Büro Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf mit pape + pape Architekten aus Kassel ausgezeichnet worden. Der dritte Preis war an das Lippstädter Büro Passgang Architekten BDA mit Pesch Partner Architekten Stadtplaner gegangen.

 

Bei der Eröffnung der Ausstellung hatte Bürgermeister Christof Sommer noch einmal auf die Historie des ehemaligen Güterbahnhofgeländes zurückgeblickt. Im Jahr 2009 war die Stadt Eigentümerin des Geländes geworden. Nachdem der Rat der Stadt Lippstadt im Jahr 2012 einstimmig gegen ein Planungsverfahren für großflächigen Einzelhandel votiert hatte, waren die Planungen für die Entwicklung der Fläche weiterverfolgt worden mit dem Ergebnis, dort eine Quartiersentwicklung voranzubringen, die auch die umliegenden Bereiche der Hospitalstraße und der Bahnhofstraße mit einbezieht. Zentrale Punkte in der Entwicklung sollten das neue Stadthaus, die Weiterführung der Jakob-Koenen-Straße bis zur Klosterstraße und ein Lebensmittelmarkt sein, der die Versorgung im Innenstadtbereich sicherstellen soll.

 

An dem im vergangenen Jahr ausgelobten zweiphasigen Wettbewerb, der aus einem städtebaulichen Teil und einem Architekturteil bestand, hatten sich 16 Büros beteiligt. Bereits im März dieses Jahres hatte eine Fachjury aus unabhängigen Experten und Vertretern aus Politik und Verwaltung über die eingereichten städtebaulichen Konzepte beraten. Von den 16 eingereichten Entwürfen waren sechs ausgewählt worden, um in der zweiten Phase des Verfahrens den Entwurf auf städtebaulicher Ebene zu konkretisieren und die hochbaulichen Planungen für den Neubau des Stadthauses auszuarbeiten. Das bis zuletzt vollständig anonymisierte Wettbewerbsverfahren war dann mit der zweiten Preisgerichtssitzung im Juli und der Ermittlung der Preisträger abgeschlossen worden.

 

Den „großen Mehrwert“ eines Wettbewerbs hatte neben Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann auch Jurymitglied Björn Severin herausgestellt. Der Architekt und Stadtplaner, der als externer Fachmann Teil des Entscheidungsgremiums war, bewertete die Bandbreite, die durch die sehr unterschiedlichen Beiträge vorhanden war, als sehr positiv und lobte die Stadt für den Mut, einen städtebaulichen und einen architektonischen Wettbewerb zu koppeln. „Das scheuen viele, obwohl es einen großen Mehrwert bietet.“ Dem Siegerentwurf bescheinigte Severin stellvertretend für das Preisgericht eine überzeugende Maßstäblichkeit: „Die Entwurfsverfasser sind sehr feinfühlig mit dem Kontext umgegangen und haben sich mit ihrem Entwurf sehr gut an den Bestand angepasst.“ Auch in der inneren Organisation des Stadthauses sei der Entwurf flächenwirtschaftlich und verkehrstechnisch gut gedacht.

 

Die Umsetzung des Stadthauses erfolgt bei dem Entwurf der Münsteraner Architekten durch drei unabhängige Gebäude, die als zusammenhängendes Ensemble erkennbar sind und insbesondere in ihrer Wirkung in Richtung Süden zur dort verlaufenden Jakob-Koenen-Straße und der Bahnstrecke einen ansprechenden Eindruck vermitteln. Die vom Preisgericht als „intelligent“ bewertete Lösung, den ebenfalls in drei Bereiche aufgeteilte Verwaltungsbau von der Jakob-Koenen-Straße „einzudrehen“, führt zu einer guten Zugangssituation und öffnet den Blick auf das Gesamtensemble. Wege, Aufenthaltsorte und Parkplätze finden durch die Aufteilung angemessenen Raum.

 

Joachim Schultz Granberg, vom gleichnamigen Büro, das im Wettbewerbsentwurf für die städtebauliche Konzeption verantwortlich zeichnete, nahm die Würdigung des Preisgerichts gemeinsam mit „heimspiel“-Architekt Marc Matzken gern an: „Wir freuen uns, dass das, was wir als qualitätsvoll empfunden haben, auch so angekommen ist.“ Mit einem schönen Bild beschrieb Schultz Granberg die gelungene Zusammenarbeit mit dem Büro „heimspiel architekten“: „Städtebau ist, wenn die Tür nach außen aufgeht, Architektur, wenn sie sich nach innen öffnet. Wir haben uns bei der Zusammenarbeit die Türklinke sehr gut in die Hand gegeben.“        

Im weiteren Verfahren werden nun Verhandlungen mit allen drei Preisträgern geführt, sodass dem Rat der Stadt Lippstadt im November die abschließenden Informationen für eine Entscheidung vorliegen. Erst nach einer positiven Entscheidung kann die Auftragserteilung erfolgen. Daran schließt sich zunächst das Bauleitplanverfahren an (2020) bevor Ende 2021 mit dem Bau begonnen werden kann.

Jurymitglied Björn Severin erläuterte bei der Ausstellungseröffnung die Entwürfe der Preisträger. Noch bis zum 30. August sind alle eingereichten Entwürfe in der Stadtbücherei zu sehen. Foto: Stadt Lippstadt
Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann, Jurymitglied Björn Severin, Bürger-meister Christof Sommer konnten die Erstplatzierten Heiko Kampherbeek, Marc Matzken (heimspiel architekten) und Joachim Schultz Granberg (Studio Schultz Granberg) bei der Ausstellungseröffnung persönlich beglückwünschen. Foto: Stadt Lippstadt