Stadtentwicklung und Stadtplanung in Lippstadt

Bürgermeister Christof Sommer im Interview

 

Für Lippstadts Stadtentwicklung ist der Fachdienst Stadtplanung und Umweltschutz die zuständige Stelle. Hier sitzen Experten für Stadtentwicklung, die diesen Prozess steuern – immer unter Berücksichtigung der besonderen räumlichen, historischen, wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten. Und immer abhängig von vielen Variablen, die diese Stadtplaner – manchmal sehr kurzfristig – bei ihrer Arbeit berücksichtigen müssen. Lippstadt ist eine wachsende Stadt, die sich permanent verändert. Zahlreiche Projekte befinden sich in der Planung, im Bau oder sind bereits realisiert, die diesen Veränderungsprozess markieren. Bürgermeister Christof Sommer im Interview zu den Zielen der Stadtplanung in Lippstadt, zu aktuellen Projekten und zur Bedeutung von Bürgerbeteiligung.

 

Stadtentwicklung ist eine kommunale Aufgabe. Wo stehen wir derzeit in Lippstadt und wohin wird die Stadt sich in den kommenden Jahren entwickeln?

Sommer: Lippstadt wächst, die Wirtschaft prosperiert. Das ist gut so, denn wir sind hier sehr stark abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung, da Lippstadt ein starker Arbeitsstandort ist. Unsere schöne historische Altstadt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Lippstadt bedeutsamer Wirtschaftsstandort mit 44.000 Beschäftigten und allein 21.000 Einpendlern ist - bei einer Größenordnung von 70.000 Einwohnern. Und wir sind Hochschulstandort mit derzeit 2.700 Studierenden. Lippstadt entwickelt sich vom starken Industriestandort zum Standort für Forschung und Entwicklung mit einzelnen Produktionsstätten. Und: Lippstadt ist regionales Mittelzentrum mit Versorgungsfunktion für die Region. Alle diese Faktoren muss die Stadtentwicklung berücksichtigen – die Wirtschaft benötigt Platz und eine passende Infrastruktur, viele der Menschen, die hierher zum Arbeiten kommen, möchten hier auch wohnen und müssen Wohnraum und Infrastruktur vorfinden. Der Flächenbedarf steigt. Das alles sind Aufgaben, die auf die Stadtplaner zukommen und denen wir gerecht werden müssen.

Werfen wir mal einen Blick in die Zukunft: Wie soll Lippstadt in 5, 10 oder 20 Jahren aussehen?

Sommer: Nicht alles können wir vonseiten der Stadt planen: Wir haben eine städtische Investitionsplanung, die betrifft die nächsten zehn Jahre, auf der anderen Seite treiben private Investoren die Dinge voran. Wir werden hoffentlich in fünf Jahren ein Forschungs- und Innovationszentrum haben, den „Digital Innovation Campus“, der in direkter Nachbarschaft zum Hochschulcampus entsteht. Wir haben dann nach meiner Erwartung ebenfalls ein neues Stadthaus in der südwestlichen Altstadt, das sicherlich als attraktiver Anker das gesamte Quartier rund um Bahnhofstraße und Hospitalstraße aufwerten wird. Das Stadttheater wird innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre technisch saniert sein. Für die kommenden Jahre haben wir von der Bezirksregierung 72 Hektar als neue Siedlungsfläche im gesamten Stadtgebiet zuerkannt bekommen, davon möchte ich gerne in zehn Jahren einen großen Teil umgesetzt wissen. Das ist sehr wichtig, denn wir brauchen vor allem auch kleinteiligen und günstigen Wohnraum – der wird sich vor allem in der Kernstadt realisieren lassen. Das Sportstättenentwicklungskonzept  mit dem Ziel einer Intensivierung der Sportentwicklung in Lippstadt wird umgesetzt sein und die Erweiterung und Aufwertung des Jahnplatzes (Stichwort Jahnplatz 2020) ebenfalls. Wir planen ein Komplettangebot für die Kindertagesbetreuung – und zwar für alle Altersstufen, in KiTas und allen Schulen.

Auch im innerstädtischen Bereich wird sich einiges tun: Wir werden die Nordstadt-Erweiterung abschließen und das Hella-Hauptwerk wird hoffentlich mit ansprechender Wohnbebauung besiedelt werden. Auf dem Uniongelände hoffen wir endlich den Durchstich Konrad-Adenauer-Ring/Südtangente hinzubekommen, den letzten Bahnübergang Lippstadts an der Weißenburger Straße zu beseitigen und in einem zweiten Schritt zu einer sinnvollen Mischnutzung des Geländes kommen. Dafür haben wir mit Flächenpool NRW die kompetente Begleitung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Kernstadt wird sich verändern, denn hier werden gleich mehrere größere Bereiche für eine Wohnbebauung frei: Zum Beispiel auf dem jetzigen Standort des Stadthauses am Ostwall oder auf dem frei werdenden Gelände des Hella-Hauptwerkes.

Sommer: Richtig. Hier müssen wir Schritt für Schritt planen und die Rahmenbedingungen für eine hochwertige Wohnbebauung stellen, wir haben eine riesige Nachfrage nach Wohnraum. Viele der Menschen, die jeden Tag nach Lippstadt zur Arbeit pendeln, möchten hier auch wohnen, da müssen wir Bedarfe möglichst kurzfristig befriedigen. Wenn der Stadthaus-Neubau am Güterbahnhof realisiert wird, werden anschließend auch die derzeitigen Standorte am Ostwall und an der Geiststraße für eine hochwertige Wohnbebauung frei. Auch auf dem Gelände des Hella-Hauptwerks werden mehr als fünf Hektar innerstädtische Fläche für die Wohnbebauung zur Verfügung stehen. Maßgabe beim Bauen ist immer: Kompakt bauen, vielseitig bauen, um unterschiedliche Angebote zu haben – ohne zu sehr zu verdichten.
 

Die angesprochenen Projekte betreffen fast alle die Kernstadt. Wo wird sich in den Ortsteilen baulich etwas tun?

Sommer: Neubaugebiete werden in fast allen Ortsteilen entstehen - immer abgestimmt auf Hochwasserschutz, Naturschutz und Flächenverfügbarkeit. Bei der Ausweisung neuer Baugebiete herrschen schwierige Rahmenbedingungen und es ist deshalb nicht leicht, alle Interessen miteinander zu vereinbaren. In den Neubaugebieten ist vor allem wichtig, immer auch den Anforderungen des Hochwasserschutzes, z.B. in Form von Regenrückhaltebecken zu genügen und dennoch die Freiflächen ansprechend zu gestalten.

Maßgabe der Landesregierung ist es ja, nicht immer neue Flächen zu verbrauchen, sondern vor allem auch Baulücken zu nutzen, um die vorhandene Bebauung zu verdichten. Wie sieht es da aus?

Sommer: Wir haben 2015 eine Befragung unter 500 Baugrundstückbesitzern initiiert, um anschließend ein Baulückenkataster zu erstellen. Damit wollten wir herausfinden, wo in Lippstadt brach liegende und unbebaute Grundstücke sind, denn wir möchten natürlich die vorhandene Infrastruktur optimal nutzen und wenn möglich erst einmal Baulücken schließen, bevor neue Flächen erschlossen werden. Grundstücke, die potenziell zum Verkauf standen, sollten dann anschließend in ein Baulückenkataster eingetragen werden, um Interessenten und Grundstückseigentümer unkompliziert zusammenzubringen. Allerdings gab es nicht die Resonanz, die wir uns erhofft hatten: Nur wenige der befragten Eigentümer waren tatsächlich bereit, über einen Verkauf oder eine Bebauung nachzudenken. Somit hat die Stadt zwar der Bezirksregierung gegenüber ihre Pflicht erfüllt  - auch die ist daran interessiert, dass vorrangig vorhandene Lücken geschlossen werden, bevor neues Land bebaut wird - es ist aber auch klar, dass wir langfristig um die Ausweisung neuer Baugebiete nicht herumkommen, wenn wir den steigenden Bedarfen begegnen wollen.

Rückblickend: Was waren erfolgreich realisierte stadtplanerische Projekte der vergangenen Jahre?

Sommer: In den vergangenen Jahren haben wir vor allem im Tiefbau mit wichtigen Straßen und Unterführungen erfolgreiche Projekte realisiert: Die Unterführungen an der Unionstraße und am Südertor, die Querspangen von der Stirper Straße zum Südertor sind Beispiele. Allesamt hochkomplexe Projekte, aber alle sind fristgerecht und innerhalb der finanziellen Rahmenbedingungen verwirklicht worden. Aber wir haben  auch gelungene Siedlungsprojekte geschaffen: Beispiel Cappel, Lipperode, Stirper Höhe, Goethestraße – immer bedarfsgerecht und mit einer guten Mischung aus klassischem Einfamilienhaus plus Mehrfamilienhaus. Und im Gewerbeflächenbereich ist es vor allem die Konversionsfläche in Lipperbruch, die gut gelungen ist. Hier haben wir es geschafft, die Fläche sowohl gewerblich (im nördlichen Bereich) wie auch für die Wohnbebauung zu nutzen – das ist ein Riesensprung für Lipperbruch. Die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor hat gut funktioniert. Ein ähnlich gelungenes Konversionsprojekt war vor vielen Jahren der Wohnpark Süd, wo VHS und Musikschule  angesiedelt werden konnten.

Vorzeigeprojekte sind auch das CabrioLi – wo es uns gelungen ist, aus zwei alten Bädern ein modernes Bad an einer Stelle zu schaffen - der Neubau der Städtischen Gesamtschule und die Hochschule.

Welche Formen der Bürgerbeteiligung sieht die Stadtplanung vor?

Sommer: Eine ganze Menge. So nennt das Gesetz beispielsweise die frühzeitige Bürgerbeteiligung, z.B. durch öffentliche Auslegung der Bauleitplanung. Darüber hinaus machen wir in Lippstadt allerdings noch eine ganze Menge zusätzlich: So initiieren wir Informationsgespräche und Diskussionsrunden zu wichtigen planerischen Projekten, und wo sie sinnvoll sind, auch Werkstattverfahren oder Stadtrundgänge. Auf jeden Fall aber finden immer Informationen über die Presse, über Flyer und neuerdings auch Umfragen über Online-Dienste und Informationen und Dialog über den Facebook-Kanal der Stadt Lippstadt statt, die gut genutzt werden. Leider ist die Resonanz in der Planungsphase nicht immer so groß wie später, wenn die fertigen Ideen präsentiert werden. Aber: Wer sich mit Ideen und Anregungen einbringen möchte in die Planung der Stadt Lippstadt, ist immer herzlich eingeladen!