Von wegen E-Mobilität – auch mit E-Lan und Muskelkraft kommt man ans Ziel - Jugendliche statten Lippstädter Partnerstadt Besuch per Longboard ab

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Lippstadt. Mit dem Bus, dem PKW, dem Fahrrad oder als Staffellauf – in den knapp 48 Jahren der Städtepartnerschaft zwischen Lippstadt und Uden wurde die Strecke zwischen den beiden Städten schon auf ganz verschiedene Arten bewältigt.

 

Eine bisher einmalige Idee haben jetzt sechs 13 bis 14-jährige Jungen umgesetzt, die der Lippstädter Partnerstadt einen Besuch per Longboard abgestattet haben.

 

Der Plan für dieses nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch anspruchsvolle Projekt entstand bereits im Sommer 2016, als die damals erst zehn und elf Jahre alten Jungen erstmalig einige Tagestouren mit ihren für viele eher ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln unternahmen und sich ihnen beim Anblick des Hinweisschildes „Uden 230 km“ am Lippstädter Rathausplatz die Frage stellte:

 

„Wie lange braucht man eigentlich mit einem Longboard nach Uden?“

 

Diese Frage wollen die Jungen nicht nur theoretisch beantworten, sondern praktisch „erfahren“. Da schnell klar ist, dass eine solche Strecke nicht in einer Tour zu schaffen ist, werden drei Etappen ausgeguckt, die in den folgenden drei Jahren in Angriff genommen werden.

 

Im Jahr 2017 geht es los und die muntere Truppe nimmt das erste Etappenziel Münster ins Visier. Begleitet von zwei Vätern mit Fahrrad und Reisegepäck kann die „boygroup“ beweisen, was in ihr steckt. Weder Nieselregen noch Gegenwind können den Tatendrang stoppen, erst ein starker Platzregen führt dazu, dass die letzten 10 km bis zur westfälischen Fahrradhauptstadt von den Longboardern mit dem Zug bewältigt werden.

 

Die zweite Etappe von Münster bis Bocholt steht 2018 auf dem Programm und wird in zwei Teilabschnitten von Münster bis Rheden und von Rheden bis Bocholt absolviert. Dabei stellen die jungen Reisefreunde fest, dass im Münsterland durchaus einige Steigungen überwunden werden müssen. Trotz der Sturzverletzung eines Teilnehmers beißt sich das Team tapfer durch und ist so sicher, in 2019 auch den letzten Streckenabschnitt von Bocholt nach Uden locker zu schaffen.

 

Fronleichnam 2019 ist es soweit; die letzte Etappe von Bocholt über Xanten und Boxmeer nach Uden steht an. Die Strecke bis Bocholt wird mit dem Auto zurückgelegt - von dort aus geht es weiter mit dem Longboard in das rund 30 km entfernte Xanten, wo eine Übernachtung in der „Südsee“ (Jugendherberge) ansteht. Am nächsten Tag wird eine Strecke von 50 km in das niederländische Boxmeer zurückgelegt. Am letzten Tag steht dann nochmals eine 30 km Etappe an, aber dann ist das Ziel erreicht: Uden!

 

In der Lippstädter Partnerstadt werden die sportlichen Jugendlichen, die wieder von einigen Vätern mit dem Rad begleitet wurden, von den anderen Eltern und Geschwistern erwartet. Nachdem am Samstag noch Gelegenheit besteht, Uden ein bisschen besser kennenzulernen, wird die gesamte Gruppe am Sonntag durch den ersten stellvertretenden Bürgermeister Gijs van Heeswijk und Margot Heerbaart vom Partnerschaftskomitee begrüßt.

Diese sind begeistert von der ungewöhnlichen Idee und der reibungslosen Umsetzung, vor allen Dingen aber davon, dass die sechs Jungen sich über einen Zeitraum von immerhin drei Jahren ein festes Ziel gesetzt und dieses nie aus den Augen verloren haben. Dass Verwaltungsspitze, Rat oder Partnerschaftskomitee ihre nächsten Besuche nach Lippstadt auch mit dem Longboard absolvieren, mochten allerdings weder Gijs van Heeswijk noch Margot Heerbaart zusagen.

 

Das ist durchaus verständlich, denn schließlich hat das Longboardteam - rechnet man die Vorbereitungstouren und die drei Etappen nach Uden zusammen – an neun Tagen beachtliche 372 km zurückgelegt.

Linus Hagenhoff, Aron Schwammborn, Elias Timmermeier, Mika Hüser, Mathis Ignee und Elias Hagenhoff (v. l. n. r.) haben die Fahrt mit dem Longboard in die Lippstädter Partnerstadt Uden mit Bravour gemeistert. Zu diesem tollen Erfolg gratuliert der stellvertretende Bürgermeister Gijs van Heeswijk (rechts) herzlich. Foto: privat
Geschafft – die Longboards haben ihr Ziel erreicht! Foto: privat