Der Flächennutzungsplan von 1980 ging davon aus, dass sich die Zahl der Lippstädter Einwohner reduzieren würde. Deshalb sollten sich die Bevölkerungsverluste auf die Stadtteile gleichmäßig verteilen. Die tatsächliche Entwicklung verlief jedoch umgekehrt zu Gunsten der umliegenden Dörfer, zu Lasten einer sich entleerenden Altstadt, auch mit der Folge weiterer Wege zu den notwendigen Einrichtungen wie z:B. Kindergärten, Schulen und Läden.
Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung, weniger Familien mit Kinder, mehr Singles - d.h. kleine Haushalte – sind neben unserem Wohlstand eine wesentliche Ursache für ein Flächenwachstum, das in der Folge für immer weniger Menschen eine immer größere Siedlungsfläche, mehr Straßen, Kinderspielplätze und auch technische Infrastrukturen beansprucht, dies zu Folgekosten, die allenthalben beklagt werden.
Die historisch lang zurück liegende ‚Landflucht’ hat sich in eine ‚Stadtflucht’ umgekehrt, deren Folgen auch in den Arbeitskreisen der vergangenen Monate thematisiert wurden. Sehr genau wurde hier notiert, dass das positive Wunschbild ‚auf dem Lande’ zu leben, feine Risse bekommen hat durch:
- eine Verkehrsbelastung unserer Straßen, die nur ein Spiegelbild der von uns gewünschten Mobilität darstellt,
- lange Wege zu Kindergärten und Schulen,
- das Wegbrechen wichtiger Infrastrukturen wie der Läden, Arztpraxen und Dorfkneipen,
- letztlich auch die hohen Kosten der Mobilität.
In der Stadt Lippstadt wurden in den letzten 10 bis 15 Jahren jährlich etwa 11 Hektar Bauland erschlossen, ein großer Teil davon außerhalb der Kernstadt. Schwer vorstellbar war es, dass sich diese Entwicklung der letzten 50 Jahre noch einmal wiederholen würde. Angesichts der zahlreichen Baulücken im Siedlungsbild, der – im Detail betrachtet – doch großen Wohnflächenreserven im Bestand, spielte in der Diskussion um Chancen, Ziele und Risiken nicht die Größenordnung neuer Siedlungsflächen die maßgebliche Rolle, sondern die Qualität der Lebensbedingungen wie z.B.:
- differenzierte Wohnungsangebote für Jung, Alt und Familien,
- Stärkung der Identität, Schärfung positiver Profile der Stadtteile,
- Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund,
- Ausstattung der Wohngebiete mit Infrastruktur,
- wohngebietsbezogene Freiraumvernetzung,
- Schaffung wohnungsnaher Arbeitsplätze.
Die Zahl der Einwohner wird in naher Zukunft abnehmen, die Zahl der kleinen Haushalte jedoch zunehmen. Die Mehrpersonenhaushalte mit Kindern, oft Motor der Neubaugebiete, nehmen drastisch ab. Dennoch wird der Wunsch nach den eigenen vier Wänden weiter die Ausweisung neuer Gebiete erfordern.
In den Arbeitskreisen wurden verschiedene Fragen angesprochen:
- verändern sich mit der Alters- und Haushaltsstruktur auch die Anforderungen an den Standort der Flächen und die Qualität der Wohnung bzw. ihres Umfeldes?
- wie werden alte Menschen in Ihrem Quartier eine Wohnung finden können? Gibt es eine vorsorgende Strategie, diesen Bedarf aufzufangen?
- werden wir verkrustete Siedlungsstrukturen Zug um Zug verändern können, um eine bessere Integration aller Bürger zu erreichen,
- ist der Trend, zurück in die Kernstadt oder sogar in die Altstadt, anhaltend? Können wir in der Altstadt bzw. der Kernstadt durch ein ‚Flächenmanagement’, durch Beratung, Vorschläge und Ideen, Kapazitäten zum Neubau von Familienwohnungen erschließen?
- Wie können wir die Altstadt aber auch den Stadtraum der Nord- und Südstadt wieder attraktiv und unverwechselbar gestalten?
- Wird es möglich sein, Freiräume in der Stadt, die heute durch das parkende Auto belegt sind, zu Gunsten eines liebens- und lebenswerten Wohnumfeldes frei zu räumen?
Im Rahmen der moderierten Gespräche zum Flächennutzungsplan-neu wurden viele Fragen angesprochen, die weit über den Inhalt eines Flächennutzungsplanes hinausgehen. Deshalb wird es in der weiteren Bearbeitung darauf ankommen, Chancen, Ziele, Projekte und auch langfristige Optionen in einem Stadtentwicklungskonzept für die Stadtteile festzuhalten und parallel hierzu – gleichsam in einem abgemagerten Konzept – den Entwurf zum neuen Flächennutzungsplan zu gestalten.
Die Termine für die Stadtteilgespräche haben wir für Sie auf einer Übersicht zusammengefasst, mehr dazu...
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