Überblick über die Geschichte und Entwicklung des Wohnpark-Süd

die Churchill Barracks, bis 1992 Kaserne der britischen Streitkräfte, heute: der Wohnpark-Süd, Konversionsprozess

1936/37 wurde die "Flak-Kaserne" südlich der Stadt mit der Südstraße als Paradestraße angelegt. Ohne nennenswerte Schäden überstanden deren Gebäude den Krieg, so dass sie nach 1945 sofort wieder vom Militär belegt wurde ? zunächst von amerikanischen Streitkräften, später von belgischen Einheiten und zuletzt von britischen Verbänden der Royal Artillerie, die der Kaserne den Nahmen "Churchill-Barracks" verliehen.Zeitweise waren bis zu 1.200 britische Soldaten auf dem Gelände stationiert. Gemeinsam mit ihren Familienangehörigen stellten sie für die Stadt einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.Die historische Umwälzung im Ost-West-Verhältnis mit Umstrukturierungen und Reduzierungen der NATO Streitkräfte führte in Lippstadt dazu, dass der Standort "Churchill-Barracks" aufgegeben wurde.Bis zur Freigabe der Liegenschaft im Dezember 1992 wussten nur wenige, wie es tatsächlich auf dem 30 Hektar großen Gelände hinter Mauern, Stacheldraht, Wachposten und Sichtschutzplanen aussah.

Ziele / Handlungsfelder

Nach einer genaueren Betrachtung des Standorts wurde deutlich, dass viele Gebäude aus der Entstehungszeit mit Teilen ihrer historischen Ausstattung erhalten geblieben sind. Mit dem Ziel, derartige Militärbauten als Dokumente der Orts- und Landesgeschichte exemplarisch zu erhalten, wurde die Gebäude der ursprünglichen Anlage im Februar 1994 in die Denkmalliste der Stadt Lippstadt eingetragen. Insbesondere die im Jahr 1936/37 errichteten zweigeschossigen Verwaltungs- und Unterkunftsbauten mit ihren 'kolossalen' Pfeilerstellungen und der symmetrischen Anordnung entlang der nord-südlichen Mittelachse sind ein anschauliches Zeugnis für eine baukulturell interessante, historisch-politisch aber belastete Zeit.Der Stadt Lippstadt wurde schnell bewusst, dass die Konversion des militärischen Standortes an der Südstraße eine Herausforderung und Chance mit unerwarteten Möglichkeiten für eine positive Stadtentwicklung bedeutet.Wurde die Kasernenanlage 1936/37 vor den Toren der Stadt angelegt, so ist sie heute von Siedlungen umgeben und somit im Zusammenhang mit der Kernstadt zu betrachten. Die zentrale Lage mit einer Entfernung zur Altstadt von nur ca. 1,5 Kilometern bietet Standortvorteile, die vielfältig genutzt werden können.

Leitlinien

Mit der Bekanntgabe der Aufgabe und Räumung des Militärstandortes im Jahre 1992 hat die Stadt Lippstadt frühzeitig Leitlinien für die künftige Nutzung des Areals entwickelt mit folgenden Zielen: die Insellage durch Integration in den Stadtorganismus aufzugeben,Wohnungen für den Bedarf auf dem Wohnungsmarkt bereitzustellen,städtische Infrastrukturdefizite im Sport- und Freizeitbereich sowie bei kulturellen und sozialen Einrichtungen abzubauen,die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu erhalten.Abgeleitet aus diesen Leitlinien sieht das Strukturkonzept vor, den größten Teil des Areals auch durch den Umbau der erhaltenswerten Gebäude für Wohnzwecke mit ergänzenden Dienstleistungen zu entwickeln.Neben der zentralen Lage des Standortes in der Stadt mit abwechslungsreichen Übergängen sowohl zur historischen Altstadt als auch zu Arbeitsstätten im Westen und Süden sprach vor allem die Entlastung auf dem Wohnungsmarkt für diesen Entwicklungsschwerpunkt.Auf der Grundlage der ersten Rahmenplanung lobte die Stadt Lippstadt im Sommer 1994 gemeinsam mit der als Betreuerin eingesetzten Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Nordrhein-Westfalen mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW einen Ideenwettbewerb aus. Neben den Umbaukonzepten wurden im Rahmen der Ausweisung neuer Wohnbereiche die Realisierungsmöglichkeiten unterschiedlicher Bau- und Eigentumsformen (Doppelhausbebauung und Geschosswohnungsbau im privat und öffentlich finanzierten Wohnungsbau) für verschiedene Nutzergruppen (Familien, Alleinerziehende, ältere und behinderte Menschen) aufgezeigt.Die Anordnung der geplanten Nutzungsbereiche erfolgte als konsequente Umsetzung der städtebaulichen Leitlinien.Klar definierte Nutzungs- und Erschließungsbereiche ermöglichen nun eine geordnete Entwicklung des Gesamtgebietes in mehreren Bau- und Planungsphasen.

Strukturmerkmale, Westlicher Entwicklungsbereich:

Dieser an der Erwitter Straße liegende Bereich ist für eine gewerbliche Nutzung prädestiniert. Die Lage spricht insbesondere für eine Ausrichtung auf gehobene Nutzungen, wie z. B. Dienstleistungen. Bereits geäußerte Erweiterungs- und Neuansiedlungswünsche sollen hier ebenfalls berücksichtigt werden.

Zentraler Entwicklungsbereich:

Der zentrale Bereich der Anlage mit den ehemaligen Mannschaftsunterkünften und Nebenanlagen soll ausschließlich dazu dienen, durch den Umbau der erhaltenswerten Bausubstanz als auch durch ergänzenden Wohnungsneubau zeitgemäßen preiswerten Wohnraum zu schaffen.Die Struktur der Neubauten westlich der ehemaligen Unterkunftsgebäude ergänzt behutsam und maßstabsgerecht die Hofsituation der ehemaligen Anlage. Hier sind neue Baukörper in verschiedenen Formen in einer Höfen ähnelnden Anordnung vorgesehen. Die Stellung der Baukörper soll dabei die Abgrenzung zum erweiterten Gewerbegebiet im Westen unterstreichen.

Östlicher Entwicklungsbereich:

Für den Bereich zwischen den ehem. Unterkünften und dem östlich angrenzenden Wohngebiet an den Straßen 'In der Krummen Wende'/'Arendsstraße' ist eine kleinteilige Wohnbebauung in Form von Doppel- und Einzelhäusern vorgesehen. Durch diese Verzahnung der Nutzungen soll die Grenze der ehem. Kaserne aufgehoben werden.

Nördlicher Entwicklungsbereich:

Die repräsentative Lage und die Funktion dieses Bereiches bieten die Chance, hier neben neuem Wohnraum über Angebote der Dienstleistung und des Einzelhandels einem Nahversorgungsbereich entsprechenden Raum zu geben. Hier soll ein Bindeglied zwischen den Quartieren geschaffen werden.Der Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereiches ?Von-Galen-Platz- kommt darüber hinaus eine besondere Funktion zu. Die vorhandenen Freiflächen zwischen den Gebäuden schaffen Raum für Aufenthalt, Begegnung, Kommunikation und Identifikation.Zur Konzeption des Nahversorgungsbereiches gehört insbesondere die Einrichtung der Musikschule der Stadt Lippstadt im ehem. Hauptquartier am Haupteingang.

Entwicklungsbereich: Sozial-Kulturelle-Infrastruktur

Aufgrund der Tatsache, dass durch die Umsetzung der Planungsziele ein neues Quartier mit ca. 450 Wohneinheiten entsteht, ist es zwingend erforderlich, durch verschiedene Rahmenbedingungen diesen Bereich in das Gesamtgefüge der Stadt zu integrieren.Durch den Umbau bestehender erhaltenswerter Bausubstanz sollen daher soziale und kulturelle Nutzungen, wie eine Tageseinrichtung für Kinder, eine Jugendfreizeiteinrichtung, eine Begegnungsstätte, die Volkshochschule mit dem Studienzentrum der Fernuniversität Hagen und die Musikschule der Stadt Lippstadt im Wohnpark Südstraße eingerichtet werden.Das Angebot der Begegnungsstätte und Kindertagesstätte soll sich schwerpunktmäßig an die Bewohner des neuen Wohngebietes wenden. Darüber hinaus können aber auch Angebote für die umliegenden Quartiere bereitgestellt werden, um somit den integrativen Gedanken zu unterstützen. Bereits im Frühjahr 1996 gründete sich die Initiative Wohnpark-Süd als Träger des Begegnungszentrums.

Entwicklungsbereich: Freiflächen/Sport- und Freizeit

Der Name Wohn-"Park" ist hier kein leerer Begriff. Innerhalb des Plangebietes hat sich im Lauf der Jahre ein Baumbestand entwickelt, der den Charakter des Gebietes entscheidend prägt, ihn gilt es zu erhalten. Viele dieser Bäume sind Bestandteil der Grünzüge, des Straßenbegleitgrüns oder liegen innerhalb der Gemeinbedarfsflächen und werden durch die Stadt Lippstadt entsprechend geschützt.
Der qualitativ hochwertigen Gestaltung der Grün- und Freiflächen kommt eine große Bedeutung zu. Grundsätzlich sollen die Freibereiche der neuen Siedlung neben den ökologischen Aspekten auch eine hohe Gestalt- und Gebrauchsqualität aufweisen. Die öffentlichen Grünflächen umfassen u. a. neue Grünzuge, die das Areal von Norden nach Süden durchziehen. Diese grünen Zonen dienen je nach Lage der Abgrenzung des Wohnparks-Süd zum Gewerbegebiet an der Erwitter Straße oder der Vernetzung bzw. Anbindung zu den Wohngebieten "Arendsstraße", "Westernkötter Straße". Wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Grünflächen sind die Spielplätze östlich der Beckstraße sowie die großen zusammenhängenden Sport- und Freiflächen im Süden des Plangebietes. Sie bieten als Kinderspielplätze ausreichend Entfaltungsraum unmittelbar in Wohnungsnähe oder Freiräume für Jugendliche mit Möglichkeiten zu Sport, Treff und Kommunikation. Der Einrichtung der Spielvereinigung Viktoria Lippstadt an diesem Standort kommt eine besondere integrative Bedeutung zu.Mit einer Fläche von insgesamt ca. 100.000 qm bilden die Spiel- und Freiflächen rund 33 Prozent der Gesamtfläche des Wohnparks.

Umsetzung

Unter Einbeziehung der bis zu 80 % von der Landesregierung geförderten Fachplanung wie z.B. der Altlastenuntersuchung, der landschaftspflegerischen Begleitplanung und des Wettbewerbsergebnisses wurde der städtebauliche Rahmenplan weiter entwickelt, im Detail an veränderte Rahmenbedingungen angepasst und die Bauleitplanverfahren durchgeführt.

Vor Ort ist heute deutlich ablesbar, dass das Konzept keine Theorie geblieben ist. Bereits im Dezember 1995 und im März 1996 hatte die Stadt Lippstadt über zwei Kaufverträge das gesamte Areal vom Bund erworben. Im Mai 1996 konnte mit dem Abbruch der nicht mehr verwendbaren Bausubstanz und den Freilegungsarbeiten begonnen werden. Aufgrund der im gesamten Verlauf des Konversionsprozesses geführten Gespräche mit potentiellen Investoren hat die Stadt Lippstadt inzwischen den größten Teil des Wohnparks wieder veräußert.
Die ehem. Mannschaftsunterkünfte im zentralen Entwicklungsbereich, die von einer Grundstücksgemeinschaft erworben wurden, sind zu 158 öffentlich geförderten Wohnungen umgebaut worden. Als Projektentwickler und Betreuer der Baumaßnahme trat die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) auf.

Ausschlaggebend dafür, dass sich der denkmalgerechte Umbau auch wirtschaftlich darstellen ließ, waren neben den Wohnungsbauförderungsmitteln insbesondere die städte-baulichen Ergänzungsmittel des Landes NRW für den Ausbau und die Erweiterung von Wohnraum. Einen Großteil des ergänzenden Wohnungsneubaus mit einer Größenordnung von ca. 230 Wohnungen in verschiedenen Bauformen hat eine für diesen Zweck gegründete Entwicklungsgesellschaft übernommen. Ende 1996 hat die Entwicklungsgesellschaft neben einem weiteren denkmalgeschützten Unterkunftsgebäude sowohl die für den Wohnungsneubau vorgesehenen Freiflächen als auch die unter Denkmalschutz stehenden Wach- und Verwaltungsgebäude am Von-Galen-Platz (nördlicher Entwicklungsbereich) erworben.

Bis heute konnten eine Reihe von Maßnahmen bereits abgeschlossen werden: So wurden die 55 Eigentumswohnungen der Entwicklungsgesellschaft im sog. Z-Gebäude im Mai 1998 fertiggestellt. Mehr als 2/3 der Wohnungen wurden inzwischen veräußert bzw. vermietet. Die ersten 80 der insgesamt 158 öffentlich geförderten Wohnungen konnten bereits zum 1. Juli 1998 bezogen werden. Der zweite Abschnitt wurde zum 1. Januar 1999 abgeschlossen. Alle Wohnungen sind vermietet. Parallel erfolgte der erste Wohnungsneubau in Form von Einzel- und Doppelhäusern im Bereich der Von-Tresckow-Straße und der Kirchnerstraße. Mit den Wohungsbaumaßnahmen im Bereich der Elserstaße wurde im Herbst 1999 ebenfalls begonnen. Im Oktober 1999 wohnten bereits 588 Personen im Wohnpark.

Schon zu einem frühen Zeitpunkt erwarb die Freie Evangelische Kirchengemeinde das ehemalige Kinogebäude und baute es in Eigenleistung zu einem Bethaus um. Der für eine gewerbliche Entwicklung vorgesehene westliche Teilbereich der Kasernenfläche an der Erwitter Straße wurde an höherwertige Gewerbebetriebe vermarktet. Von herausragender Bedeutung ist hier die Ansiedlung eines neuen Technologiezentrums, des sog. CarTec, das die Automobilzulieferindustrie nicht nur in der Region, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen unterstützen soll. Im Sommer 1999 wurden die Umbaumaßnahmen des ehemaligen Naafi-Gebäudes abgeschlossen. Damit konnte aus dem "Kaufhaus" eine Werkstatt für Behinderte geschaffen werden. Auch für die nun im Eigentum der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Lippstadt GmbH (GWL) befindlichen Gebäude, die für die Infrastruktureinrichtungen vorgesehen sind, hat die zivile Umnutzung begonnen. Aus der ehem. Offiziersmesse sind inzwischen die Kindertagesstätte "Phantasien" und die Begegnungsstätte "Mikado" entstanden. Mit dem Umbau des ehem. Hauptquartiers zur Musikschule am Von-Galen-Platz und der ehem. Mannschaftskantine zur Volkshochschule und zum Studienzentrum der Fernuniversität Hagen wurde im Sommer 1999 begonnen. Im August 2000 sollen beide Einrichtungen ihrer Zweckbestimmung übergeben werden.

Der Aufbau der neuen Ver- und Entsorgungssysteme wurde abgeschlossen. Straßenzug um Straßenzug erfolgt nun der endgültige Straßenausbau mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen. Schon zu einem früheren Zeitpunkt des Konversionsprozesses konnte durch den Einsatz der Lippstädter Initiative Jugendhilfe, Bildung und Arbeit erreicht werden, vorhandene Grün-strukturen, Wege und Plätze zu pflegen um ggf. später notwendige Instandsetzungsarbeiten, verbunden mit hohen Folgekosten, zu vermeiden. Diese Arbeiten setzten sich erfolgreich fort. Wesentliche Realisierungsmaßnahmen zur Umsetzung des Konzeptes Wohnpark-Süd wie z.B. Anpflanzungen, Instandsetzungsarbeiten im Bereich der Mauer entlang der Südstraße, konnten im Zuge von Arbeitsbeschaffungs- und Qualifizierungs- maßnahmen mit Mitteln des EU-Progamms "Konver I und II" sowie AQA umgesetzt werden. Alle diese Maßnahmen haben dazu beigetragen das Projekt "Wohnpark Süd" erfolgreich voranzutreiben.

Horstmann, Planungsamt, Januar 2000
Ein Übersichtsplan zum Sport-, Spiel- und Freizeitpark des Wohnpark-Süd
 
Ein Übersichtsplan zum städtebaulichen Konzept für den Wohnpark-Süd
 
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